Aktuelles

28. März 2020

Eine Antidiskriminierungsperspektive ist in Zeiten der Krise unabdingbar

P r e s s e m i t t e i l u n g
des advd

In Rahmen der Corona-Pandemie muss die Situation vulnerabler Gruppen besonders berücksichtigt werden. Die im advd vereinten Antidiskriminierungsberatungsstellen haben sich den neuen Herausforderungen angenommen und ihr Beratungsangebot umgestellt und erweitert.

 

Krisenpolitik ist diskriminierungssensibel zu gestalten

Während der Corona-Pandemie ist eine antidiskriminierungspolitische Perspektive unerlässlich. Verschiedene Organisationen und Initiativen zeigen mit Nachdruck auf, wie Diskriminierungen sich in der Krise verstärken und zum Teil neu entstehen: Ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen tragen bei Infektion das höchste Risiko. Gleichzeitig spielen Machtverhältnisse wie Rassismus, Behinderung, Sexismus oder sozialer Status in die Krise hinein und verstärken bestehende Ungleichheiten.1

So macht etwa die Kampagne #IAmNotAVirus auf den anti-asiatischen Rassismus aufmerksam, der sich im Zuge des Aufkommens der Epidemie offenbart. Asiatische (gelesene) Menschen werden beleidigt, diskriminiert und angegriffen.2 Community-Verbände, Medi-Büros und Ärzt*innen machen deutlich, wie Menschen, die in Geflüchtetenheimen oder auf der Straße leben bei Infektionsschutz- und Eindämmungsmaßnahmen benachteiligt werden.3

Diese Appelle lenken die Aufmerksamkeit auf die Belange der Menschen, die in öffentlichen Überlegungen meist ausgeblendet werden. Sie erklären die Notwendigkeit, Krisenpolitik diskriminierungssensibel zu gestalten.4

 

Beratungsstellen zeigen Präsenz

In der aktuellen Situation stehen die im advd versammelten Beratungsstellen vor neuen Herausforderungen. Zum einen erweitert sich das Feld der Diskriminierungsrisiken, da zusätzlich zum regulären Beratungsbedarf neue Diskriminierungen beim Zugang zu Information, medizinischer Versorgung, SARS-COV-2-Tests und angemessener Infektionsschutzmaßnahmen hinzukommen. Ferner rechnen Berater*innen mit den Nebenwirkungen von Ausgangsrestriktionen sowie verschärfter Sicherheits-, Migrations- und Arbeitsmarktpolitiken: z.B., wenn Menschen auf engem Raum leben, von Racial Profiling oder unverhältnismäßig von Entlassungen betroffen sind. Zunehmenden psychischen Belastungen ist ebenso Rechnung zu tragen.

Zum anderen stehen erprobte Kommunikationsformen (persönliche Gespräche, Dolmetschung) und Interventionen (Vermittlungsgespräche, Zusammenarbeit mit Rechtsanwält*innen bei AGG-Klagen) nicht unmittelbar zur Verfügung. In vielen Beratungsprozessen herrscht zusätzliche Verunsicherung aufgrund der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit von Behörden und Gerichten.

Die Beratungsstellen haben sich diesen Herausforderungen unmittelbar angenommen, ihr Beratungsangebot umgestellt und erweitert. Berater*innen sind telefonisch, per Mail und online erreichbar und sorgen trotz der Umstände für einen möglichst umfassenden und niedrigschwelligen Zugang. Diskriminierungsbetroffene haben auf besondere Art mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Um ihnen in Zeiten der Krise weiterhin so gut wie möglich beistehen zu können, sind Beratungsstellen auf die außerordentliche Unterstützung durch Zuwendungsgeber*innen angewiesen,“ so Eva Andrades, Geschäftsführerin des advd.

Sind Sie von Diskriminierung betroffen? Dann melden Sie sich gerne bei einer der Beratungsstellen in ihrer Nähe. Eine Übersicht finden Sie hier: https://www.antidiskriminierung.org/ber-uns-1.

Kontakt

Céline Barry
Email: celine.barry@nullantidiskriminierung.org
Telefon: 01590 / 614661


1 Für eine vertiefte Analyse über die Diskriminierungsrisiken der Pandemie-Eindämmungspolitik siehe die Stellungnahme von „Social Distancing vor dem Hintergrund sozialer Ausgrenzung: https://adis-ev.de/blog/2020/03/24/social-distancing-vor-dem-hintergrund-sozialer-ausgrenzung/.
2 Siehe die Pressemittteilung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/20200212_Coronavirus.html.
3 Siehe den offenen Brief von Ärzte der Welt e.V.: https://www.aerztederwelt.org/presse-und-publikationen/presseinformationen/2020/03/25/offener-brief-corona-krisenstab-organisationen-zutiefst-besorgt, sowie die Petition #LeaveNooneBehind https://medibuero.de/gesundheitsversorgung-sicherstellen-lager-aufloesen-menschen-und-ihre-rechte-schuetzen/
4 Siehe die Pressemitteilung der Landesarbeitsgemeinschaft Antidiskriminierungsberatung Baden-Württemberg: https://lag-adb-bw.de/2020/03/25/pressemitteilung-der-lag-antidiskriminierungsberatung-baden-wuerttemberg/.