Was ist Rassismus, was Diskriminierung?

In unserer Beratungsarbeit begegnen uns Rassismus und rassistische Diskriminierung in vielen Formen und in allen Lebensbereichen:

  • Einer Person wird das Training in einem Fitnessstudio verweigert. Angeblich können dort nur deutsche Staatsangehörige oder Staatsangehörige aus EU-Staaten Mitglied werden.
  • Die Bewerbung einer muslimischen Frau wird abgelehnt, weil sie ein Kopftuch trägt.
  • Eine Schwarze Arbeitnehmer*in wird von ihren Kolleg*innen gemobbt – Vorgesetzte greifen nicht ein.
  • Nachbar*innen überschütten eine Familie mit falschen Anzeigen wegen Ruhestörung oder Kindesmisshandlung.
  • Geschwister erfahren in der Schule alle die gleichen Zuschreibungen, Demütigungen und Ausgrenzungen durch verschiedene Lehrer*innen.

Verletzung der Würde und Integrität

Für die Betroffenen kann jede Erfahrung von Rassismus und Diskriminierung eine massive Grenzüberschreitung bedeuten.  Sie ist jedem Fall eine Verletzung ihrer Würde und Integrität. Die Diskriminierungserfahrung selbst, aber auch die spätere Auseinandersetzung mit ihr ist durch eine Vielzahl von schmerzhaften und teilweise widersprüchlichen Gefühlen geprägt: Wut, Ohnmacht, Scham, Selbstzweifel, Verletztheit, Unsicherheit, Schwäche, Demütigung, Überrumpelung, Trauer, Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit. Solche Erfahrungen werfen oft auch grundsätzliche Fragen zu der eigenen Identität, der Position in der Gesellschaft und der Wahrnehmung durch andere auf. Sie ragen häufig in wichtige soziale Beziehungen hinein und betreffen auch zentrale materielle Aspekte wie zum Beispiel den Zugang zu Arbeit, Bildung oder Wohnraum.

Wir unterstützen Sie dabei, sich gegen Diskriminierung zu wehren und Ihre Rechte einzufordern. Wir bietet Ihnen einen geschützten Raum, um über das Erlebte zu sprechen und Klarheit über Ihre Anliegen zu gewinnen. Auf Wunsch entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen Handlungsmöglichkeiten und unterstützen Sie bei der Umsetzung.

Was ist Rassismus?

Die ADB definiert Rassismus als eine soziale Ausschließungspraxis, die in verschiedenen historischen Kontexten unterschiedlich in Erscheinung tritt. Er hierarchisiert, differenziert und entwertet Menschen, indem er ihnen konstruierte, meist negative gruppenspezifische Merkmale und Eigenschaften zuschreibt.

Wer über Rassismus spricht, kann über Privilegien nicht schweigen:
„Eines dieser Privilegien ist (…), dass sie sich viele der angeborenen Vorteile selbst zunichte machen können, wenn sie es drauf anlegen. Kommen sie mir also nicht mit der Klage: „Zu mir sind die Leute auch unfreundlich!“ Dies wird auch dadurch deutlich, dass sie sich höchstens freiwillig, aber noch nie zwangsweise damit beschäftigt haben, wie aggressiv die deutsche Gesellschaft sie behandelt, wenn sie die ihnen zugestandene Rolle nicht einhalten. Sie dürfen tatsächlich im Batikfummel barfuß tanzen und dabei verklebte Haare haben, ohne rassistische Klischees hervorzurufen. Sie dürfen ihre Küche versiffen lassen, ohne rassistische Klischees hervorzurufen. Sie dürfen bekifft zu spät kommen, ohne rassistische Klischees hervorzurufen. Sie können sogar dealen und dabei Trommel spielen, ohne rassistische Klischees hervorzurufen. All dies finden sie selbstverständlich. Ist es aber nicht. Es ist ein weißes Privileg.“ (Noah Sow 2008, S. 51)

Mit dem Begriff Rassismus wird ein gesellschaftliches Verhältnis beschrieben, in dem kategorisiert wird, welche Personengruppen nicht zur Gruppe der Eigenen gehört und deshalb nur eingeschränkten Zugang zu Ressourcen erhalten. Wir leben in einer Welt, die von rassistischen Strukturen durchzogen ist. Diese Strukturen ziehen für rassistisch markierte Menschen tägliche Diskriminierungserfahrungen nach sich.

Von der Mehrheitsgesellschaft wird Rassismus meistens als etwas verstanden, dass von böswillig handelnden Personen begangenen wird, die absichtlich und bewusst andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft verletzen wollen. Diese explizite Form des Rassismus erleben wir in unserer Beratungspraxis nur allzu häufig, häufiger jedoch jene Formen des Rassismus die nicht aus Böswilligkeit, sondern aus bewusster oder unbewusster Ignoranz gegenüber der Bedeutung und den Konsequenzen rassistischer Handlungen bestehen.

Was ist Diskriminierung?

Von Diskriminierung sprechen wir, wenn Benachteiligungen, Ausgrenzung oder Belästigungen wegen grundlegender Zugehörigkeiten oder Zuschreibungen geschehen. Dazu gehören zum Beispiel: rassistische Zuschreibungen, Sprache, Herkunft, sexuelle Identität, aber auch das Lebensalter, Geschlecht, Religion/ Weltanschauung sowie körperliche, geistige und seelische Fähigkeiten.

Die ADB hat sich auf das Merkmal der rassistischen Diskriminierung spezialisiert. Wir unterstützen Sie dabei, sich gegen Diskriminierung zu wehren und Ihre Rechte einzufordern. Wir bietet Ihnen einen geschützten Raum, um über das Erlebte zu sprechen und Klarheit über Ihre Anliegen zu gewinnen. Auf Wunsch entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen Handlungsmöglichkeiten und unterstützen Sie bei der Umsetzung.

Handlungsmöglichkeiten können unter anderem sein: die Sicherung von Indizien, das Verfassen eines Beschwerdebriefes, das Einholen von Stellungnahmen, die Begleitung zu Vermittlungsgesprächen aber auch Informationen zu und die Unterstützung bei rechtlichen Schritten.

Wenn Sie Diskriminierung erfahren haben, können Sie die ADB kontaktieren.

Da für rechtliche Schritte eine enge zeitliche Frist von zwei Monaten nach Bekanntwerden der Diskriminierung gilt, ist es sinnvoll, die Beratung möglichst zeitnah in Anspruch zu nehmen.

Weitere Informationen zu unserem Beratungsangebot finden Sie hier.